Der Riss
Hinterlässt nicht mehr als Zweifel, Trauer und Verzagen,
kann von selbst nicht leben und lässt sich nicht tragen.
Ein Riss, der mir solch Leiden schafft
und manchmal saugt die letzte Kraft.
Wohin soll, die Meinung ich nur stellen?
Woher nehm ich neue Quellen?
Wer wird mir glauben, wenn ich´s sage
wer erklärt uns – diese missliche Lage?
Ach, diese haben das Problem
und jenem wird es unbequem
dieser leidet auch sehr stumm
dem anderen nehm ichs dafür krumm.
Diese wollen doch nur tanzen
der andere schlägt sich´s in den Ranzen
dann war da einer, der ist toll
treibts wie ein Kind, zumeist sehr doll.
Die Moral von der Geschicht
wenn ich sie denn finde, bin erpicht!
endet kaum mit einer Frage…
verbessert auch nicht eure Lage.
Kunst und Gedicht kann man nicht kaufen
man stellt sie selten in den Schrank.
bindest damit keine Schlaufen,
wirst du auch nicht davon krank.
Vielleicht gesund, das wär so schön
kann der Reim auch schief da stehen
perfekt muss er für mich nicht sein
ein Reim ist rein und bleibt ein Reim.
…………………….
Da ist ein tiefer Riss in der Gesellschaft und er geht mitten durch meinen Kopf.
Manchmal spiele ich damit und führe die bunten-glitzernen Perlen der Erkenntnis um meine Finger, manchmal kokettiere ich damit und zeige mich in einer hübschen Form, die andere erfreut, meistens aber beschäftige ich mich in irgendeiner Form damit,
und meistens nur heimlich, damit es keiner merkt.
Der Riss istmanchmal wie ein Spielzeug, das ich an einer Schnur hinter mir herziehe. Ein netter Begleiter, ein lustiges Ding, das nur mir gehört! Und ich gebe es auch niemandem her.
Meistens- vor allem als ich älter geworden bin- war der Riss ein Schatten, der mein Gesicht verdunkelt hat, nur wenn die Sonne herauskommt und im richtigen Winkel stand,
konnte ich lachen.
Manchmal wird er größer, dann muss ich einen Satz machen, um schnell zu springen!
Manchmal geht es nur mit viiiel Anlauf. Manchmal muss ich ihn laut rufen, weil er so weit weg ist und ich vergessen habe, dass es ihn gibt. Aber aus irgendeiner Ecke kommt er dann angerannt und findet mich. Er findet mich immer. Er hat mich noch nie vergessen. Der Riss ist ein treuer Begleiter, fast wie ein Hund, sehr anhänglich, wie ein Kind und zart wie ein Pfirsich. Wenn ich ihn nicht gut behandele kann er sich auch wandeln und dann wird seine Oberfläche rau und stachelig und er schaut finster.
Manchmal stehe ich mitten auf ihm, dann falle ich. Ich greife noch zur Seite, aber da ist nichts, da ist niemand, der mich hält. Ich falle tief, sehr tief und nichts hält mich auf.
Ich habe vergessen, mich abzuseilen, und ich habe vergessen, ein Netz zu spannen.
Ich falle tief und als ich mit einem lauten Schlagen auf den Boden knalle, ärgere ich mich über mich selbst und fange an zu weinen.
Dann stehe ich wieder auf und laufe weiter.
Was soll ich auch sonst machen?


